
Informationsveranstaltung des Zweckverbandes „Wasserversorgung Vorderes Renchtal“ zur Wasserqualität
Belastung des Trinkwassers mit Dimethylsulfamid bleibt konstant
![]() Mit großem Interesse werden die Informationen der Experten aufgenommen (von links): Wassermeister Rudolf Kohler, Joachim Kiefer vom Technologiezentrum Wasser / Karlsruhe, Wolfgang Klattig, Geschäftsführer des Zweckverbandes „Wasserversorgung Vorderes Renchtal“, Bürgermeister Franz Müller, Roland Vogt, Betriebsleiter der Stadtwerke Oberkirch, und Thomas Marwein vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Ortenaukreises. |
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Auf Einladung des Zweckverbandes „Wasserversorgung Vorderes Renchtal“ fand dieser Tage eine Informationsveranstaltung im Ratssaal des Rathauses Oberkirch statt. Nachdem die Öffentlichkeit bereits im April über die festgestellten Dimethylsulfamidwerte im Trinkwasser informiert wurde, sollte diese Veranstaltung zur weiteren Information dienen. Wolfgang Klattig, Geschäftsführer des Zweckverbandes, erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass das Trinkwasser das meist untersuchteste Lebensmittel ist und gemäß der Trinkwasserverordnung die Grenzwerte für Inhaltstoffe sehr gering gehalten werden. Wolfgang Klattig hob hervor, dass der Zweckverband als Betreiber der Brunnen und Förderer des Trinkwassers entsprechende Untersuchungen im Einzugsgebiet der Brunnen bei dem unabhängigen Technologiezentrum Wasser aus Karlsruhe in Auftrag gegeben hat. Die Karlsruher Experten haben dazu an insgesamt 14 Entnahmestellen Grundwasserproben entnommen. Das nun im Trinkwasser festgestellte Dimethylsulfamid (DMS) ist ein Abbauprodukt des Pflanzenschutzmittels Tolylfluanid und war als solches bis zum Herbst 2006 unbekannt. Nach Auskunft von Joachim Kiefer vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe handelt es sich bei dem Pflanzenschutzmittel um ein Pilzbekämpfungsmittel, welches seit über 30 Jahren in der Landwirtschaft im Bereich Erdbeeren, Obst/Weinbau eingesetzt wurde. In der Zwischenzeit ist sein Einsatz nicht mehr erlaubt und das Pflanzenschutzmittel wurde von seinem Hersteller vom Markt genommen.
Die Trinkwasserverordnung sieht für Pflanzenschutzmittel Inhaltsstoffe im Trinkwasser einen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser vor. Die im Oberkircher Wasser vorgefundenen Konzentrationen von DMS lagen bei Messungen im Frühjahr zwischen 1,33 und 2,31 Mikrogramm pro Liter Wasser. Bei der nunmehr durch das Technologiezentrum Wasser vorgenommenen Überprüfung und Nachbeprobung wurden weiterhin Konzentrationen zwischen 1,5 und 2,4 Mikrogramm pro Liter festgestellt. Joachim Kiefer deutete diese Ergebnisse als Bestätigung der ersten Messreihe. Und damit enthält das vom Zweckverband geförderte Trinkwasser weiterhin DMS-Konzentrationen, welche über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegen. Neben den bereits untersuchten Brunnen wurden mehrere Vorfeldpegel, vorhandene Forstwege sowie einige von der Landwirtschaft genutzte Beregnungsbrunnen untersucht. In diesen Brunnen wurden Konzentrationen, die über dem Grenzwert liegen, festgestellt. Die Ortschaft Ödsbach, welche über eigene Quellen im Waldgebiet Moos verfügt, ist von der DMS-Problematik nicht betroffen, da bei Messungen bei diesen Quellen ein Wert von 0,05 Mikrogramm pro Liter Wasser festgestellt wurde. Dieser Wert liegt eindeutig unter dem Referenzwert, zeigt aber auch, dass in nicht intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten dieser Wirkstoff ebenfalls vorhanden ist. |
Ursache hiefür könnte nach Auffassung des Experten vom Technologiezentrum Wasser sein, dass dieses Mittel früher in der Waldwirtschaft eingesetzt worden ist. Aber es bestehe auch die Möglichkeit, dass dieses Pflanzenschutzmittel im Wege der Verdunstung oder Abtrift verbreitet worden ist. Weder durch die Filterwirkung des Bodens noch durch derzeit bekannte technische Möglichkeiten kann DMS aus dem Trinkwasser entfernt werden. Bis zu einer Konzentration von 10 Mikrogramm pro Liter erteilt das Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz des Ortenaukreises den Wasserversorgern eine befristete Genehmigung. Thomas Marwein vom Amt für Wasserschutz und Bodenschutz des Landratsamtes betonte in dem Zusammenhang, dass eine solche Genehmigung nicht leichtfertig erteilt wird. Vielmehr wird eine solche Genehmigung erst nach Rücksprache mit dem Umweltbundesamt erteilt. Das Umweltbundesamt schätzt DMS in den bisher vorgekommenen Konzentrationen als gesundheitlich unbedenklich ein und lässt den Vertrieb des Wassers bis zur einer Konzentration von 10 Mikrogramm pro Liter zu. In dem Zusammenhang weist Joachim Kiefer vom Technologiezentrum Wasser daraufhin, dass sich der Wirkstoff DMS bei einer Aufbereitung mittels Ozon verändert und den krebserregenden Stoff Nitrosodimethylamin bildet. Daher raten übereinstimmend der Vertreter des Technologiezentrums Wasser wie auch Thomas Marwein vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz dringend von solchen Aufbereitungsmaßnahmen durch private Haushalte ab. Zurzeit stehen den Einwohnern von Oberkirch keine Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität zur Verfügung. Weiter wurde an diesem Abend erklärt, dass mit Ausnahme des DMS das Oberkircher Trinkwasser sehr sauber ist. Andere Pflanzenschutzmittel und deren Abbauprodukte liegen unter der gesetzlichen Bestimmungsgrenze. Die Nitratbelastung ist mit 5,1 bis 25 Milligramm pro Liter für eine so landwirtschaftlich geprägte Gegend wie Oberkirch gering, betonte in dem Zusammenhang Joachim Kiefer. Gemeinsam mit dem Technologiezentrum Wasser wird der Zweckverband „Wasserversorgung Vorderes Renchtal“ in regelmäßigen Zeiträumen Proben des Trinkwassers entnehmen, um so am Besten die Veränderungen der Konzentration zu erkennen. Zeitgleich betreiben die zuständigen Behörden und Instutitionen die Suche nach weiteren Erkenntnissen über den Wirkstoff DMS, um so eine Möglichkeit zu finden, diesen aus dem Wasser zu eliminieren. |
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